„Pulheims Kinder sprechen viele Sprachen“ – Erster Aktionstag für „Mehrsprachigkeit“ im WALZWERK

Ayden-Sibel Çelik

Ayden-Sibel Çelik: „Am Ende werdet ihr alle ein bisschen türkisch sprechen können.“

Im Walzwerk-Atelier wird’s lebendig. Die Autorin Aygen-Sibel Çelik begrüßt rund siebzig Pulheimer Grundschul-Kinder in türkischer Sprache und verspricht: „Am Ende werdet ihr alle ein bisschen türkisch sprechen können.“ Dann fragt sie: „Wie viele Sprachen könnt ihr sprechen?“ Die Kinder zählen auf: deutsch, chinesisch, türkisch, polnisch, pakistanisch, englisch, französisch. „Allein durch eure Sprachen habt ihr die halbe Welt hier versammelt.“ Aygen-Sibel Çelik liest aus ihrem zweisprachigen Buch „Sinan und Felix“, bezieht die Kinder mit ein und lässt sie die Bedeutung von Worten erraten, die ähnlich klingen, aber in jeder Sprache etwas anderes bedeuten können.

Die Lesung bietet den Auftakt zum Aktionstag „Mehrsprachigkeit“, der am 10.September in Pulheim stattfand, vom Pulheimer SchauHoer-Verlag initiiert und organisiert wurde und seinen Besuchern mit Lesungen, Vorträgen, einen Malworkshop und einer Ausstellung mehrsprachiger Bilderbücher und Sprachfördermaterialien viel zu bieten hatte. Als Kooperationspartner mit dabei: das Lern- und Bildungsinstitut ZEKA LEARN zur türkischen Sprachförderung, der Verband binationaler Familien und Partnerschaften, das Netzwerk Mehrsprachigkeit und Tamakai Books, Versand für fremdsprachige Originalmaterialien.

Patricia Hahne-Wolter, Aygen-Sibel Çelik

Patricia Hahne-Wolter, Aygen-Sibel Çelik

Am Nachmittag stellt die Hamburger Illustratorin Jutta Bauer ihr zweisprachiges Bilderbuch „Die Königin der Farben/Krolówa Kolorów“ vor. Sie erzählt, spielt, malt und fragt die Kinder: „Was passiert, wenn man alle Farben mischt?“ „Alles wird grau.“ „Wie fühlt sich das an? Und wie ist es, wenn ich rot und blau, gelb und blau, gelb und rot zusammenmische?“

Jutta Bauer

Jutta Bauer und „Die Königin der Farben“

Die Künstlerin malt die „Königin“ mit schwarzen Umrissen an die Wand, rollt die Papierrolle auf dem Boden aus und fordert die Kinder auf: „Das ist ihr Königreich. Ihr könnt malen, was ihr wollt.“ An manchen Stellen greift die Künstlerin ein. Sie tropft Farbe aufs Papier, verwischt sie großzügig und ermutigt die Kinder: „Ihr könnt ganz wild und gefährlich werden – wie die Königin.“
„Jetzt wollen wir mal sehen, was im Land der Königin los ist“, sagt Jutta Bauer, und die Kinder erzählen: „Zwei Monster.“ „Meine Schwester und ich.“ „Kinder und Eltern in einer Rutsche.“ „Ein Haus.“ „Ist das eine Autobahn?“ „Nein, eine ganz normale Straße?“ „Hier brennt die Stadt.“ „Aber auf dem Dach sitzt ein Vogel, der kann wegfliegen.“ Am Ende hören die Kinder die Geschichte noch einmal – in polnischer Sprache: Królowa Kolorów.

Jutta Bauer

Jutta Bauer und Übersetzerin „Die Königin der Farben“ in polnischer Sprache

„Mit Sprache umhüllen“ – in ihrem Vortrag stellt die Fachautorin und Übersetzerin Inés Maria Jiménez Möglichkeiten für eine bilinguale Erziehung vor. Sie verwendet Begriffe wie „Sprachbad“ und „Sprachinseln“ und empfiehlt, Sprache nicht nur zu hören, sondern viel zu sprechen und Sprache mit Handlungen zu begleiten – in Sprache geradezu zu ‚baden’.

Die Lese- und Literaturpädagogin Martina Ducqué gibt Tipps zum zweisprachigen Vorlesen und stellt die von ihr entwickelten Sprachfördermatermaterialien vor, zum Beispiel den Erzählwürfel.

Zum Ausklang des Aktionstages begrüßt Frau Hahne-Wolter die zur „Pulheimer Begegnung“ erschienenen Gäste und lädt sie zum Gespräch ein.

Johannes Böttcher (ev. Theologe), Günther Bernd Ginzel (Publizist, Mitbegründer der internationalen Friedensschule), Canan Calac (2. Vorsitzende des Moschee-Vereins), Herrn Golger und Catarina Caperle (beide vom Kommunalen Integrationsrat Rhein-Erft, KI) (v. l. n. r.) / Foto: Norbert Aufsfeld

„Pulheimer Begegnung“: Johannes Böttcher, ev. Theologe; Günther Bernd Ginzel, Publizist, Mitbegründer der Internationalen Friedensschule; Canan Kalac 2. Vorsitzende des Moschee-Vereins; Arnold Golger, Vorsitzender des Integrationsrates; Catarina Caperle, Kommunales Integrationszentrum Rhein-Erft, KI (v. l. n. r.)

Caterina Caperle (Kommunaler Integrationszentrum des Rhein-Erft-Kreises, KI) beginnt mit einem Impulsreferat. Aufgabe des KI mit seinem multikulturellen und multiprofessionellen Team sei es, die Integration von Migranten und Migrantinnen im Bildungssystem und in der Gesellschaft zu fördern. Sie zeigt den unterschiedlichen Bedarf von Familien, Grundschulen, Kindern, Eltern und Projekten auf. Zu den Aktivitäten des KI gehören u. a. Info-Veranstaltungen und Schulungen von Ehrenamtlichen.

2015-09-10-16.56.56_Caterina_Caperle

Caterina Caperle: „Die Muttersprache ist wichtig.“

Die anschließende Diskussion thematisiert unterschiedliche Sichtweisen und Gemeinsamkeiten . In einer globalen Welt brauche es mehr als eine Sprache, das bedeute eine enorme Bereicherung für verschiedene Kulturen, so der Publizist und Mitbegründer der Internationalen Friedensschule Günther Bernd Ginzel. Canan Kalac, zweite Vorsitzende des Moschee-Vereins, greift das Stichwort ‚Kultur‘ auf und meint, dass Kultur sich vor allem auf drei Dinge beziehe: Sprache, Essen und Musik. Catarina Caperle betont, wie wichtig die Muttersprache sei. Erst wenn sie gelernt sei, wenn ihre Sprachlogik Sicherheit biete, könnten auch andere Sprachen gelernt werden.

Mehrsprachigkeit als Chance und erweiterte Möglichkeit zu sehen und nicht als Schwäche – darin ist man sich einig. Es käme darauf an, Mehrsprachigkeit sichtbar zu machen, auch in kleinen Gesten. Schon wenige Worte oder ein Satz in der bekannten Sprache könne Türen öffnen und ermutigen.

Der Mit-Organisator des Aktionstages Ed Werner (kunstinitiative wzk) schlägt vor, praktisch weiterzudenken, und so steht am Schluss die Anregung von Martina Ducqué für eine nächste Veranstaltung, am „Tag der Muttersprache“ am 22. Februar 2016.

Beitrag: Christiane Raeder / Fotos: Norbert Aufsfeld

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Mehrsprachigkeit, Sprachförderung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu „Pulheims Kinder sprechen viele Sprachen“ – Erster Aktionstag für „Mehrsprachigkeit“ im WALZWERK

  1. Pingback: Pulheims Kinder sprechen viele Sprachen | Bilingual erziehen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s